„Da ist eine echte Beziehung gewachsen“
- 24. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juni
Projekt „Granfluencer“ der Bürgerstiftung bringt Alt und Jung zusammen
Von Melina Goldhorn
Celle. Einmal wöchentlich treffen sich fünf Senioren des Senioren-Erzählcafés und fünf Schüler der Oberschule Westercelle. Dabei tauschen sie sich bei verschiedenen Aktionen über ihre unterschiedlichen Lebenswelten aus. Dieses Mal sind sie im Atelier von Daniel Wunn zu Besuch, wo alles im Namen von Kunst und Kultur steht.
Zunächst reden Jung und Alt über ihre Erfahrungen und den Umgang mit dem Thema Fake News. Im Anschluss analysieren und interpretieren sie in der Runde Werke von Künstlern, etwa des berühmten Künstlers Banksy. Nach ausführlicher Diskussion nehmen die Teilnehmer schließlich selbst die Rolle des Künstlers ein: Mit Spray-Paint, Schablonen und mehr kreieren sie ihre ganz persönlichen Kunstwerke.

Das Treffen im Atelier Wunn ist nur eines von vielen. In der Vergangenheit besuchten die Schüler und Senioren unter anderem eine Ausstellung im Residenzmuseum und veranstalteten eine eigene Kochshow – inklusive Verkostung. Zudem mussten die Generationen bei einem Quiz beweisen, wie gut sie die Jugendsprache der Gegenseite beherrschen. Auch das Thema Schule damals im Vergleich zu heute spielte bei einem gemeinsamen Schulbesuch eine Rolle. Das Projekt ist zudem Teil des Kooperationsprojekts „Mitbestimmen! Kunst trifft Demokratie“ gemeinsam mit dem Residenzmuseum und Street & Art.
Das generationenübergreifende Projekt mit dem Namen „Granfluencer“ der Bürgerstiftung Celle entstand aus dem Senioren-Erzählcafé. Dieses wiederum wurde im Rahmen der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ gefördert. Aus der Idee, Jung und Alt zusammenzubringen, entwickelte sich letztlich das Projekt „Granfluencer“. Dabei setzt sich der Name aus den englischen Begriffen „Grandparents“ (Großeltern) und „Influencer“ (einflussreiche Personen in den sozialen Medien) zusammen.
Die stellvertretende Vorsitzende der Bürgerstiftung Celle, Regina Haut, erzählt zu den Hintergründen: „Der Wunsch, der zunehmenden Alterseinsamkeit entgegenzuwirken und gleichzeitig das gegenseitige Verständnis zwischen jungen und älteren Menschen zu fördern, führte zu dem Projekt Granfluencer.“ Seit Herbst 2025 läuft das Projekt – und soll zunächst bis Ende des kommenden Schuljahres gefördert werden. Ob es danach weitergeht, bleibt noch offen, wie Haut erzählt: „Es ist eine Frage der Finanzierung und der Menschen, die mitmachen.“ Wenn es jedoch nach den Teilnehmern gehe, könne das Projekt gern auch danach fortgesetzt werden.
Karin Lohöfener, Organisatorin des Senioren-Erzählcafés, schwärmt vom Projekt. „Da ist eine echte Beziehung zwischen den Schülern und Senioren gewachsen.“ Die Senioren berichten, dass sie sich durch die regelmäßigen Treffen und unterschiedlichen Aktionen wieder jung fühlen würden. Zudem helfe der gemeinsame Austausch, unterschwellige Vorurteile gegenüber den Generationen aufzubrechen, wie ein anderer Senior schildert. Die 17-jährige Schülerin Lorin Kinik ist von Anfang an mit dabei. „Durch das Projekt kann ich die Sichtweisen der älteren Generation zu bestimmten Themen besser verstehen“, erzählt sie zufrieden.
Auch Martina Fragge, Vorsitzende der Bürgerstiftung Celle, ist sichtlich begeistert: „Das Projekt ist perfekt für die Bürgerstiftung Celle. Einerseits verbindet es Kunst und Kultur – andererseits Erziehung und Bildung.“ Dabei schätzt sie vor allem die ehrenamtliche Arbeit aller Teilnehmer: „Wenn die Menschen das nicht so mit Herzblut und dem ehrenamtlichen Gedanken vorantreiben würden, könnte das Projekt gar nicht funktionieren.“
Unter dem Motto „20 Jahre Bürgerstiftung – 20 Geschichten“ stellt die Cellesche Zeitung die umfangreiche Arbeit und die Projekte der Bürgerstiftungin einer Serie vor.
Quellenangabe: Cellesche Zeitung vom 13.06.2026, Seite 10















