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4. Jugendliche für Kunst begeistern

  • 25. Mai
  • 3 Min. Lesezeit


Bürgerstiftung unterstützt Schlosstheater-Projekt mit 10.000 Euro / Förderung soll kulturelle Bildung stärken

Von Gunther Meinrenken 



Celle. Die Bürgerstiftung Celle feiert ihren 20. Geburtstag. Unter dem Motto „20 Jahre Bürgerstiftung – 20 Geschichten“ stellt die Cellesche Zeitung die umfangreiche Arbeit und die Projekte der Bürgerstiftung vor.

Das ist doch eine schöne Bestätigung für das Engagement, das die Celler Bürgerstiftung für das Jugendtheater des Schlosstheaters leistet. Als die Vorsitzende Martina Fragge am Ende der Vorstellung von „Maß der Dinge“ in der Halle 19 Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs des Ernestinums fragt, ob sie durch den Besuch der Vorstellungen im Rahmen des „Enter-Programms“ mehr Lust auf Theater bekommen haben, stehen neun von etwa 20 Jugendlichen auf. Wenn diese Quote bei allen Schülern erreicht würde, bräuchte man sich um die künftigen Besucherzahlen des Schlosstheaters keine Sorgen zu machen.

Die Förderung des Jugendtheaters der Celler Bühne ist eines der Projekte der Celler Bürgerstiftung. „Wir engagieren uns hier auf Antrag des Schlosstheaters. In dieser Spielzeit unterstützen wir das Jugendtheater mit 10.000 Euro“, erklärt Fragge.

Das Jugendtheater ist als Kooperationsprogramm mit Schulen konzipiert und ist in drei Bereiche unterteilt. Bei den „theaterFREUNDEN“ stehen Kindergartenkinder im Mittelpunkt, die mindestens einmal ins Theater gehen können. Die Grundschulkinder erwartet bei den „theaterSTARTERN“ neben dem Weihnachtsstück eine weitere altersgerechte Vorstellung. Und bei „theaterENTER“, zugeschnitten auf die jeweiligen Altersklassen ab der 5. Klasse, gibt es nicht nur mindestens einen Theaterbesuch pro Jahr, sondern auch eine spannende Theaterrallye für Sechstklässler. Dazu können die Schulen auch eine Nachbesprechung des Stücks buchen. „Wir bieten pro Spielzeit drei bis vier Jugendstücke und zwei Kinderstücke an. Der Kartenpreis ist vergünstigt. Gleichzeitig bieten wir Schulen im Landkreis zusätzlich an, auch vor Ort in der Schule als Gastspiel zu spielen“, sagt Schlosstheater-Intendant Andreas Döring.

„Zwölf Schulen aus dem gesamten Landkreis Celle nehmen fest an einem der Programme teil“, erläutert Theaterpädagogin Imme Klages, die erklärt, dass das Schlosstheater mit dem Jugendtheater auch Kinder und Jugendliche für die Theaterclubs der Bühne begeistern möchte: vom Kids-Club über den Teen- und Jugendclub bis hin zum Theaterclub für junge Erwachsene. Die Mühe lohnt sich. „Das sieht man auch an den Tickets für die normalen Theatervorstellungen, bei denen immer einige mit Schülerrabatt verkauft werden“, stellt Klages fest.

Döring betont, dass es „kulturell, persönlich und gesellschaftlich“ wichtig sei, junge Menschen an das Theater heranzuführen, „gerade in Zeiten, in denen sogar Schulen von digitalen Prozessen in die Enge getrieben werden“. Zudem eröffne das Theater einen direkten Zugang zu Kunst, Geschichten und einem toleranten Weltbild. „Anders als bei Social Media erleben Jugendliche hier alles live: echte Menschen, echte Emotionen, unmittelbare Reaktionen. Das fördert Empathie, weil Figuren und Konflikte intensiver nachvollziehbar werden. Kritisches Denken wird angeregt, weil viele Stücke gesellschaftliche Themen behandeln. Theater schafft einen Raum für Reflexion und macht jungen Menschen Angebote, um eine eigene Haltung zu entwickeln“, so Döring.

Und damit könne man gar nicht früh genug beginnen. „Für den Fortbestand unserer kulturellen Tradition sind frühe Erfahrungen immens wichtig: Interessen bauen oft auf Erlebnissen auf, die uns in der Kindheit berührt und begeistert haben. Wer als junger Mensch das Theater als selbstverständlichen Teil der analogen Welt erlebt, baut Hemmschwellen ab und profitiert von kultureller Teilhabe“, betont der Intendant des Schlosstheaters. Theater sei ein wichtiger Teil kultureller Bildung und einer lebendigen demokratischen Gesellschaft. „Es bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und fördert Austausch und Diskussion. Und nicht zuletzt: Theater kann begeistern, Dinge mit anderen Menschen zusammen zu erkunden, und die Welt als veränderbar zu erfahren. Eine starke Inszenierung kann manchmal sogar den Blick auf die Welt nachhaltig verändern – besonders dann, wenn man ihr früh begegnet“, sagt Döring.

Allein die Finanzierung des Jugendtheaters stellt das Celler Schlosstheater vor große Herausforderungen. „Das Kinder- und Jugendtheater wird durch das gesamte Theaterpersonal betreut und findet auf mehreren Spielstätten statt, sodass ein großer Teil der Kosten und auch der Finanzierung nicht getrennt von der Finanzierung des Schlosstheaters betrachtet werden kann“, erklärt Döring. Ausschließlich dem Kinder- und Jugendtheater seien aktuell Kosten in Höhe von rund 400.000 Euro zuzuordnen.

In dieser laufenden Spielzeit werde der größte Anteil dieser Kosten durch die Stiftergemeinschaft der Sparkassen getragen, insgesamt rund 250.000 Euro. „Die Finanzierung läuft über Ticketerlöse, weitere Drittmittelgeber und Sponsoren, vor allem die Bürgerstiftung Celle und die SVO. Die Bürgerstiftung fördert Produktionen. Ohne diese Unterstützung wären wir nicht in der Lage, dieses Angebot so niedrigschwellig aufrechtzuerhalten“, bekräftigt Döring. In der kommenden Spielzeit konsolidiert das Schlosstheater rund eine halbe Million Euro in anderen Bereichen, „sodass dann der entfallende Finanzierungsanteil der Stiftergemeinschaft wieder mit den Mitteln der öffentlichen Hand ausgeglichen wird“.

Die Bürgerstiftung übernimmt die Förderung gerne. Fragge: „Wir wollen die kulturelle Bildung fördern, Jugendliche an das Theater heranführen, möglichst nach dem Motto ‚Teilhabe für alle‘“, sagt die Vorsitzende der Bürgerstiftung. Theater öffne den Blick für Kultur und die Lebenswirklichkeiten anderer Menschen. „Schließlich geht es um die künftige Generation, die unsere Gesellschaft zusammenhalten muss.“



Quellenangabe: Cellesche Zeitung vom 03.06.2026, Seite 15



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